Christian Heynk: Kaspar Hauser 2025


antastbar - Die Würde des Menschen

antastbar - Die Würde des Menschen


Leseprobe aus dem Buch / eBook
antastbar
Die Würde des Menschen …


KASPAR HAUSER 2025
© Christian Heynk

NNERSKI    Hiermit erkläre ich die Untersuchung im Zusammenhang mit dem anwesenden Professor Doktor Norzel für eröffnet. Für das Protokoll: Ziel der Kommission und seiner Mitglieder ist es festzustellen, ob Professor Doktor Norzel bei seinem sogenannten Kaspar-Hauser-Versuch gegen geltendes Recht und gegen die von dieser Kommission verbindlich festgesetzten ethischen Richtlinien in der Forschung verstoßen hat. Professor Norzel, können Sie bitte als Erstes die genauen Umstände des Versuches schildern, der Gegenstand dieser Untersuchung ist?
NORZEL (räuspert sich)    Ja. Ziel eines jeden Kaspar-Hauser-Versuches ist es, einen Menschen von Beginn an von jeglichen Umwelteinflüssen fernzuhalten. Auf diese Weise glaubt man, Aufschluss darüber zu bekommen, welche Fähigkeiten ein Mensch von Geburt an besitzt und welche Fähigkeiten im Laufe des Lebens erlernt werden. Bei unserem Versuch handelte es sich um ein Retortenbaby, das direkt nach der Geburt in einem 20m² großen Labor untergebracht wurde. Das Labor war so konzipiert, dass die Ernährung des Säuglings größtenteils durch Maschinen erfolgen konnte. Persönlicher Kontakt mit dem Säugling wurde weitestgehend vermieden, um jede menschliche Beeinflussung des Säuglings zu unterbinden. Wie gesagt, es ging uns darum, den Säugling zu isolieren.
NNERSKI    Ist Ihnen diese Isolierung vollständig gelungen?
NORZEL    Nein, nicht vollständig. Es gab zwei oder drei Situationen, in denen der Nahrungsschlauch des Säuglings neu justiert werden musste. Für diese Aufgabe hatten wir Krankenschwestern engagiert, und wir hatten ihnen vorher die strikte Anweisung gegeben, nicht zu sprechen und den Säugling auf keinen Fall zu berühren. Woran sich die Schwestern auch alle gehalten haben. Ein weiteres Problem war die Bewegung. Wir hatten ein Gerät entwickelt, mit dem die Bewegungsapparate, also Arme und Beine des Säuglings trainiert werden konnten. Ein weiteres Gerät, das beim Urinieren und Defäkieren des Säuglings zum Einsatz kam, gewährleistete die adäquate Körperhygiene. Da das Kind aber wuchs, mussten auch diese Geräte in gewissen Abständen von unseren Technikern neu justiert werden. Die Techniker hatten dieselben Anweisungen bekommen wie die Schwestern, doch in einem Fall ist es zu einer Berührung gekommen.
NNERSKI    Was heißt das genau? Eine Berührung?
NORZEL    Nun, einer der Techniker hatte die Schlaufe, in der der Fuß des Säuglings steckte, verfehlt und die Ferse des Säuglings berührt. Wir brachen den Versuch aber nicht ab, weil wir uns dennoch brauchbare Ergebnisse erhofften. Eine einzige menschliche Berührung, so glaubten wir, würde keinen großen Einfluss auf den Säugling haben, solange er die meiste Zeit über in totaler Isolation blieb.
NNERSKI    Heißt das, bis auf drei, vier kurze Ausnahmen kam das Kind, ich korrigiere, der Säugling, nie mit Menschen in Kontakt?
NORZEL    Das ist korrekt!
NNERSKI    Wie entwickelte sich der Säugling?
NORZEL    Zunächst recht gut. Über den Nahrungsschlauch bekam er Muttermilch und Hefeschleim zugeführt, die Bewegungsapparate funktionierten einwandfrei und auch das UV-Licht ersetzte das natürliche Tageslicht, dergestalt, dass keine Unterschiede zwischen der Entwicklung eines normalen Kindes und unseres Versuchsobjektes erkennbar waren. Es entwickelte Milchzähne und krabbelte ganz normal umher, wenn es von den Gerätschaften abgekoppelt war. Nur die Sprachentwicklung setzte nicht ein!
NNERSKI    Wieso nicht?
NORZEL    Nun, das war nicht anders zu erwarten. Unsere Hauptthese geht davon aus, dass die Fähigkeit zur Sprache eben nicht angeboren ist, sondern dass die Sprache hauptsächlich durch Imitation erworben wird. Ein Kind wird nur dann „Mama“ oder „Papa“ rufen können, wenn es diese Worte zuvor vernommen hat. Da das Versuchsobjekt, also der Säugling, keinem Sprachsystem ausgesetzt war, entwickelte es auch keine Sprache. Unsere Kernspinaufnahmen des Gehirns zeigen auch eine im Vergleich zu natürlich aufwachsenden Säuglingen abgeschwächte Entwicklung des Broca-Zentrums, also des Teils im Gehirn, das für die Sprachentwicklung zuständig ist. Diese Befunde zeigen im Grunde, dass der Mensch keine oder nur sehr geringe natürliche Anlagen hat, die ihm das Sprechen erlauben.
NNERSKI    Heißt das, dass das Versuchsobjekt, ich meine der Säugling, überhaupt keine akustischen Signale gesendet hat?

… die Fortsetzung dieser spannenden Debatte gibt es in dem Buch / eBook

antastbar
Die Würde des Menschen …

Hrsg. Barbara Naziri
Vorwort Rüdiger Nehberg
Dr. Ronald Henss Verlag

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